„Die spannendsten Antworten finde ich selten dort, wo ein Symptom sichtbar wird. Ich finde sie auf dem Weg dorthin.“
– Xenia van der Zouw
Wenn der Brustkorb die Last nicht mehr tragen kann
Jedes Pferd, das ich behandeln oder im Training begleiten darf, ist einzigartig. Und doch gibt es Momente, die sich immer wiederholen.
Während einer physiotherapeutischen Behandlung oder im Training beginnen manche Pferde plötzlich intensiv abzuschnauben. Nicht nur ein einzelnes entspanntes Ausatmen – sie lösen sichtbar Schleim, atmen tiefer durch und wirken, als würde sich im Inneren ihres Körpers etwas lösen.
Für viele Besitzer ist das überraschend. Manchmal sogar beunruhigend.
Für mich ist es genau das Gegenteil.
Es bestätigt eine Beobachtung, die mich schon seit Jahren begleitet.
Denn bevor ich ein Pferd behandle, schaue ich nicht zuerst auf das Symptom. Mein Blick wandert über den ganzen Körper. Ich frage mich, wie viel Last die Lendenwirbelsäule ausgleichen muss, wie viel Aufrichtung der Rumpf mitbringt, welche Spannung an der Halsbasis sichtbar wird und wie das Pferd seine Beine organisiert.
Mit der Zeit fiel mir dabei etwas auf:
Gerade Pferde, die immer wieder mit Atemwegsproblemen zu kämpfen haben – obwohl sie tierärztlich gut betreut werden – zeigen häufig Gemeinsamkeiten in ihrer Körperorganisation.
Und irgendwann stellte ich mir eine Frage, die mich bis heute begleitet.
Kann es sein, dass die Atmung eines Pferdes nicht nur etwas über seine Lunge erzählt – sondern auch darüber, wie gut sein Körper sich selbst tragen kann?
Genau dieser Gedanke hat mich dazu gebracht, mich intensiver mit den Zusammenhängen zwischen Tragkraft und Atmung zu beschäftigen.
Nicht, weil ich in der Lunge nach einer neuen Erklärung gesucht habe.
Sondern weil ich verstehen wollte, welche Geschichte der Körper bereits erzählt, lange bevor sich ein Symptom zeigt.
Kapitel 1 – Das unsichtbare Korsett
Ein Brustkorb, der nicht auf Knochen ruht
Warum richtet sich mein Blick bei einem Pferd mit Atemproblemen überhaupt auf den Schulterbereich?
Die Antwort beginnt bei einer anatomischen Besonderheit, deren Bedeutung häufig unterschätzt wird.
Anders als wir Menschen besitzt das Pferd kein Schlüsselbein. Sein Brustkorb ist deshalb nicht knöchern mit den Vordergliedmaßen verbunden. Stattdessen wird der gesamte Rumpf von einem fein aufeinander abgestimmten Netzwerk aus Muskulatur, Faszien und Bindegewebe zwischen den Vorderbeinen getragen.
Der Brustkorb „hängt“ gewissermaßen zwischen ihnen.
Wenn wir uns bewusst machen, dass mehrere hundert Kilogramm Körpergewicht nicht auf einer festen knöchernen Konstruktion ruhen, sondern Tag für Tag von diesem Netzwerk gehalten werden, wird deutlich, welche außergewöhnliche Aufgabe es erfüllt.
Es hält den Rumpf zwischen den Vordergliedmaßen, fängt das Gewicht von Hals und Kopf auf und muss gleichzeitig jede Bewegung ausgleichen, Kräfte aufnehmen und den Körper immer wieder neu ins Gleichgewicht bringen.
Vielleicht wird genau hier verständlich, warum ich bei einem Pferd mit Atemproblemen nicht ausschließlich auf die Atmung schaue.
Denn bevor Luft frei durch die Lunge strömen kann, braucht der Brustkorb zunächst eines:
Eine stabile und gleichzeitig bewegliche Grundlage.
Zwischen Halt und Beweglichkeit
Ich stelle mir dieses Tragesystem gerne wie ein unsichtbares Korsett vor.
Ein gutes Korsett erfüllt zwei Aufgaben zugleich:
Es gibt Halt, ohne einzuengen.
Es stabilisiert, ohne Bewegung zu verhindern.
Genau dieses Gleichgewicht braucht auch das Tragesystem des Pferdes.
Mit jedem Atemzug muss es sich weiten und wieder zusammenziehen. Mit jedem Schritt bewegt sich der Brustkorb dreidimensional durch den Raum. Gleichzeitig wird der Rumpf stabilisiert, Belastungen wir abgefedert und der Körper wird in Balance gehalten.
Dafür braucht das System zwei Eigenschaften, die auf den ersten Blick gegensätzlich wirken:
Stabilität und Beweglichkeit.
Erst wenn beides harmonisch zusammenspielt, kann sich das Pferd aufrichten, der Brustkorb frei zwischen den Vordergliedmaßen schwingen und der gesamte Körper sich mühelos bewegen.
Gleichzeitig entsteht der Raum, den Herz, Lunge und Zwerchfell benötigen, um ihre Aufgaben ungehindert erfüllen zu können.
Geht dieses Gleichgewicht verloren, verändert sich weit mehr als nur die Körperhaltung.
Der Brustkorb sinkt langsam zwischen den Vordergliedmaßen nach unten. Kräfte werden neu verteilt, andere Strukturen müssen mehr Arbeit übernehmen und der Körper beginnt, nach einer Lösung zu suchen.
Genau hier beginnt die eigentliche Geschichte.
Denn aus einer zunächst unscheinbaren Veränderung entwickelt sich Schritt für Schritt eine Kettenreaktion, die schließlich weit über den Schultergürtel hinausreichen kann.
Vielleicht beginnt genau hier die Geschichte eines Pferdes, das scheinbar „nur“ Atemprobleme hat.
Kapitel 2 – Trageschwäche: Wenn das Gleichgewicht verloren geht
Eine Hängematte braucht mehr als starke Seile
Stell dir eine Hängematte vor.
Sie trägt nur dann zuverlässig, wenn zwei Dinge zusammenkommen: eine stabile Aufhängung und die richtige Spannung des Stoffes. Gibt einer dieser beiden Faktoren nach, hängt sie immer weiter durch. Sie erfüllt ihre Aufgabe zwar noch – aber längst nicht mehr so mühelos wie zuvor.
Ganz ähnlich verhält es sich mit dem Brustkorb des Pferdes.
Auch er wird nicht von Knochen gehalten, sondern von einem fein abgestimmten Netzwerk aus Muskulatur, Faszien und Bindegewebe zwischen den Vordergliedmaßen. Solange dieses System harmonisch zusammenarbeitet, bleibt der Rumpf angehoben und kann sich frei bewegen.
Geht dieses Gleichgewicht verloren, beginnt der Brustkorb langsam zwischen den Vorderbeinen abzusinken.
Oft geschieht das schleichend.
So schleichend, dass weder Mensch noch Pferd diesen Moment bewusst wahrnehmen.
Für den Körper verändert sich dadurch jedoch alles.
Denn jede Bewegung beginnt plötzlich aus einer Position heraus, in der weniger Stabilität zur Verfügung steht.
Tragkraft entsteht im Zusammenspiel
Wenn wir von Tragkraft sprechen, denken viele zunächst an kräftige Muskeln.
Doch Tragkraft ist keine Frage einzelner Muskeln.
Sie entsteht dort, wo Muskulatur, Faszien, Bindegewebe und Nervensystem miteinander arbeiten. Erst dieses Zusammenspiel macht den Körper belastbar.
Man könnte sagen:
Tragkraft ist keine reine Muskelkraft.
Tragkraft ist ein Zusammenspiel vieler Strukturen.
Je harmonischer diese Zusammenarbeit funktioniert, desto leichter kann der Körper Last aufnehmen, Kräfte weiterleiten und Bewegung organisieren.
Gerät dieses Zusammenspiel aus dem Gleichgewicht, versucht der Körper trotzdem, seine Aufgabe zu erfüllen.
Er sucht nach einer anderen Lösung.
Der Körper akzeptiert Instabilität nur ungern
Der Körper des Pferdes ist unglaublich anpassungsfähig.
Er versucht nicht, Instabilität auszuhalten. Er versucht sie auszugleichen.
Strukturen, die eigentlich eine ganz andere Aufgabe haben, beginnen plötzlich zusätzliche Arbeit zu übernehmen. Anfangs funktioniert das erstaunlich gut. Das Pferd bewegt sich weiter, läuft seine gewohnten Runden und von außen scheint sich kaum etwas verändert zu haben.
Doch jede Anpassung kostet Kraft.
Je länger einzelne Bereiche Aufgaben übernehmen müssen, für die sie ursprünglich nie gedacht waren, desto größer wird ihre Belastung.
Was als kluge Lösung beginnt, kann mit der Zeit selbst zum Problem werden.
Und genau hier beginnt das, was wir als Kompensation bezeichnen.
Doch wie schafft der Körper das eigentlich?
Wer übernimmt diese zusätzliche Arbeit?
Um das zu verstehen, müssen wir einen Blick auf das Netzwerk werfen, das den gesamten Körper miteinander verbindet.
Kapitel 3 – Wenn Bewegung zu Haltearbeit wird
Der Körper verteilt die Last neu
Bewegung entsteht nicht allein durch Muskeln.
Zwischen Muskeln, Knochen und Organen spannt sich ein weit verzweigtes fasziales Netzwerk auf. Es verbindet den gesamten Körper miteinander, nimmt Kräfte auf, verteilt Belastungen und sorgt dafür, dass Bewegungen nicht isoliert stattfinden.
Eine wichtige Rolle spielt dabei die spinocostotransversale Faszie.
Sie verbindet Rippen, Brustwirbelsäule und die umgebende Muskulatur miteinander und hilft dabei, die Kräfte innerhalb des Schultergürtels weiterzuleiten.
Solange der Brustkorb gut getragen wird, arbeitet dieses Netzwerk beinahe unbemerkt.
Verändert sich jedoch die Tragfähigkeit des Systems, beginnt sich die Last neu zu verteilen.
Man kann es sich wieder wie bei der Hängematte vorstellen.
Gibt eine Aufhängung nach, verändert sich nicht nur dieser eine Punkt.
Das gesamte Gewebe reagiert.
Genau so beginnt auch der Körper, seine Kräfte neu zu organisieren.
Wenn Tragen wichtiger wird als Bewegen
Eine Schlüsselrolle übernimmt dabei der Musculus serratus ventralis.
Er gehört zu den wichtigsten Rumpfträgern des Pferdes. Seine Aufgabe besteht darin, den Brustkorb zwischen den Vordergliedmaßen zu halten und gleichzeitig genügend Beweglichkeit für einen flüssigen Bewegungsablauf zu ermöglichen.
Gerät dieses System dauerhaft unter erhöhte Belastung, stößt auch der Serratus irgendwann an seine Grenzen.
Der Körper reagiert sofort.
Andere Muskeln springen ein.
Doch diese Muskeln wurden ursprünglich nicht dafür geschaffen, den Rumpf dauerhaft zu stabilisieren.
Sie sind Bewegungsmuskeln.
Plötzlich müssen sie Haltearbeit leisten.
Man könnte sagen:
Der Körper schickt seine Bewegungsmuskeln in einen Job, für den sie eigentlich nie gedacht waren.
Das bleibt nicht ohne Folgen.
Die Vorführphase verkürzt sich.
Der Raumgriff nimmt ab.
Bewegungen wirken weniger fließend.
Manche Pferde erscheinen triebig oder verlieren an Ausdruck.
Nicht, weil sie sich weniger bewegen möchten.
Sondern weil ihr Körper einen großen Teil seiner Energie bereits dafür aufwendet, Stabilität zu schaffen.
Der Körper entscheidet sich nicht falsch
Für uns sieht diese Veränderung oft wie ein Problem aus.
Für den Körper ist sie zunächst eine Lösung.
Er trifft keine falsche Entscheidung.
Er priorisiert Stabilität.
Denn Bewegung wird erst dann freigegeben, wenn der Körper sich sicher fühlt.
Stabilität kommt immer vor Bewegungsfreiheit.
Vielleicht ist genau das einer der wichtigsten Gedanken dieses ganzen Beitrags.
Denn aus einer nachlassenden Tragfähigkeit entsteht nicht einfach eine schlechtere Bewegung.
Es beginnt eine Kette von Anpassungen.
Und jede dieser Anpassungen wird vom Nervensystem wahrgenommen.
Kapitel 4 – Wenn Stabilität zur Priorität wird
Der Körper hört ständig zu
Bis hierhin haben wir betrachtet, wie sich eine nachlassende Tragfähigkeit auf Muskulatur, Faszien und das Bewegungsbild auswirken kann.
Doch keine dieser Veränderungen bleibt für den Körper unbemerkt.
Mit jedem Schritt sammelt er Informationen. Er nimmt wahr, wie sich Lasten verteilen, welche Bereiche mehr arbeiten müssen und wo Stabilität verloren geht.
Man könnte sagen:
Der Körper hört ständig zu.
Nicht mit den Ohren.
Sondern über unzählige Sinnesrezeptoren, die in Muskeln, Faszien, Sehnen und Gelenken sitzen. Sie melden dem Nervensystem fortlaufend, was im Körper geschieht.
Wo Belastung zunimmt, wo Bewegungen leichter werden und wo plötzlich mehr Sicherheit gebraucht wird.
Das Nervensystem bewertet all diese Informationen – und trifft auf ihrer Grundlage Entscheidungen.
Nicht bewusst.
Aber unglaublich präzise.
Sicherheit geht vor
Stellt das Nervensystem fest, dass der Brustkorb nicht mehr ausreichend getragen wird, verfolgt es ein klares Ziel:
Es möchte den Körper schützen.
Dafür erhöht es die Aktivität bestimmter Muskeln, verändert Bewegungsmuster und gibt nur noch so viel Bewegungsfreiheit frei, wie der Körper im jeweiligen Moment sicher kontrollieren kann.
Was für uns nach Steifheit aussieht, ist aus Sicht des Körpers zunächst eine sinnvolle Strategie.
Denn Bewegungsfreiheit ist niemals das erste Ziel.
Sicherheit ist es.
Erst wenn der Körper genügend Stabilität wahrnimmt, lässt er Bewegung wirklich zu.
Vielleicht erklärt genau dieser Gedanke, warum manche Pferde sich trotz gutem Training nur schwer loslassen können.
Nicht, weil sie nicht möchten.
Nicht, weil sie stur oder unwillig sind.
Sondern weil ihr Nervensystem noch keine ausreichende Sicherheit wahrnimmt.
Der Körper arbeitet nie gegen uns
Das ist einer der Gedanken, der meine Arbeit in den letzten Jahren am stärksten verändert hat.
Ich glaube nicht mehr, dass der Körper gegen uns arbeitet.
Ich glaube, er versucht uns zu schützen.
Jede erhöhte Muskelaktivität.
Jede Kompensation.
Jede Einschränkung.
Sie entsteht nicht, um Bewegung zu verhindern.
Sondern um sie unter den gegebenen Voraussetzungen überhaupt noch möglich zu machen.
Vielleicht verändert genau diese Sichtweise unseren Blick auf viele Pferde.
Denn plötzlich sehen wir keinen Körper mehr, der sich widersetzt, sondern einen Körper, der versucht, mit einer schwierigen Situation bestmöglich umzugehen.
Und genau deshalb lohnt es sich, noch einen Schritt weiterzugehen. Denn diese Schutzstrategie bleibt nicht auf Muskeln und Bewegungen beschränkt.
Sie beeinflusst den gesamten Körper – bis hin zu einer Region, an der viele seiner Systeme zusammenlaufen
Kapitel 5 – Wenn der Körper Zusammenhänge sichtbar macht
Was hat das alles eigentlich mit der Atmung zu tun?
Aus einer scheinbar kleinen Veränderung im Tragesystem wurde Schritt für Schritt eine Geschichte über Muskulatur, Faszien und das Nervensystem.
Vielleicht fragst du dich jetzt:
Was hat das alles eigentlich mit der Atmung zu tun?
Genau hier wird deutlich, dass der Körper nicht in einzelnen Regionen arbeitet.
Er verbindet und manchmal liegen die Antworten auf ein Symptom nicht dort, wo wir sie zunächst vermuten würden.
Der CTÜ – Eine Schaltstelle des Körpers
Zwischen Hals und Brustkorb befindet sich der zervikothorakale Übergang – kurz CTÜ.
Auf den ersten Blick wirkt er unscheinbar.
Doch funktionell gehört er zu den spannendsten Regionen des Pferdekörpers.
Hier treffen Muskulatur, Faszien, Bindegewebe, Blutgefäße und wichtige Nervenbahnen aufeinander. Gleichzeitig verbindet dieser Bereich den Hals mit dem Schultergürtel und der gesamten Vorderhand.
Man könnte sagen:
Der CTÜ ist ein Verkehrsknotenpunkt.
Verändert sich die Körperorganisation, laufen viele dieser Veränderungen über genau diesen Bereich.
Nicht, weil dort die Ursache entsteht.
Sondern weil hier zahlreiche Systeme miteinander kommunizieren.
Je mehr sich die Kräfte im Tragesystem verändern, desto stärker wird auch dieser Bereich gefordert.
Deshalb lohnt es sich, den CTÜ nie isoliert zu betrachten.
Das Zwerchfell – mehr als nur ein Atemmuskel
Wenn wir an die Atmung denken, denken wir meist zuerst an die Lunge.
Dabei gerät ein Muskel fast immer in den Hintergrund: das Zwerchfell.
Es spannt sich beim Pferd wie eine kuppelförmige Trennwand zwischen Brust- und Bauchhöhle auf. Seine Verbindungen reichen vom Brustbein über die letzten Rippen bis tief an die Lendenwirbelsäule. Damit verbindet es Bereiche des Körpers, die viele Pferdebesitzer gedanklich kaum miteinander in Verbindung bringen.
Genau deshalb lohnt es sich, genauer hinzusehen.
Denn das Zwerchfell arbeitet nicht nur bei jedem Atemzug. Es ist gleichzeitig Teil eines Systems, das den Rumpf stabilisiert und die Bewegungen zwischen Brustkorb, Wirbelsäule und Bauchraum miteinander koordiniert.
Bei einem Pferd mit guter Tragkraft kann sich der Brustkorb elastisch heben und senken. Das Zwerchfell kann sich frei absenken und wieder entspannen. Atmung und Bewegung greifen ineinander.
Anders sieht es häufig bei einem trageschwachen Pferd aus:
Sinkt der Brustkorb zwischen den Vordergliedmaßen ab und muss die Lendenregion dauerhaft Stabilität übernehmen, entstehen häufig Spannungsmuster, die sich durch den gesamten Rumpf ziehen. Die Hinterhand versucht zu kompensieren, die Lende arbeitet permanent gegen, während die schwingende Verbindung nach vorne zunehmend verloren geht.
Dadurch verändert sich nicht nur die Bewegung – auch das Zwerchfell verliert einen Teil seiner Bewegungsfreiheit.
Der Atem wird oft flacher, der Brustkorb wirkt weniger elastisch und das Pferd muss für jeden Atemzug mehr muskuläre Arbeit leisten.
Plötzlich wird verständlich, warum manche Pferde trotz gesunder Lunge schneller außer Atem geraten oder sich unter Belastung schwertun:
Nicht, weil der Atemmuskel zu schwach wäre, sondern weil das gesamte System, in dem er arbeitet, seine freie Funktion verloren hat.
Zurück zu der Beobachtung vom Anfang
Vielleicht erinnerst du dich an die Pferde, von denen ich zu Beginn erzählt habe. Diejenigen, die während einer Behandlung plötzlich tief abschnauben.
Schleim lösen oder sichtbar durchatmen.
Der Körper zeigt uns Symptome oft erst am Ende einer langen Geschichte.
Wenn wir lernen, diese Geschichte zu lesen, verändert sich auch unser Blick auf das Pferd.
Wir behandeln dann nicht mehr nur das, was sichtbar geworden ist.
Wir beginnen zu verstehen, warum es überhaupt sichtbar werden musste.
Vielleicht ist genau das die eigentliche Faszination.
Vielleicht begegnest du deinem Pferd nach diesem Beitrag mit einer anderen Frage. Nicht mehr: "Wo sitzt das Problem?" Sondern: "Welche Geschichte versucht mir sein Körper zu erzählen?"